Der Wolf im Wolfspelz


Die Welt ist ein Dorf – die moderne Technik hat diesen einst sinnbildlich gemeinten Ausspruch zur Realität werden lassen. Erst recht gilt das für die virtuelle Welt. Jeder, der die moderne Medienwelt nicht meidet wie der Teufel das Weihwasser, gibt – teils gewollt, jedoch viel öfter ungewollt – einer großteils anonymen Öffentlichkeit mehr von sich preis, als er seinen engsten Freunden unter vier Augen anvertrauen würde.

Auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern machen sich Personalchefs und Headhunter diese Tatsache längst zu Nutze, „googeln“ die Namen der Bewerber und haben flugs mehr Hinweise auf die Tauglichkeit der Jobsuchenden, als deren geschönter Lebenslauf sie jemals bieten könnte.

Es ist nämlich nicht egal, was jemand in seiner Freizeit macht. Ein Richteramtsanwärter hätte vermutlich schlechte Karten, würde seine Mitgliedschaft bei den „Hells Angels“ ruchbar werden, und einem gerichtsnotorischen Tierquäler würde man wohl kaum die Leitung des örtlichen Tierschutzvereines übertragen.

Armin Wolf, Nachrichtensprecher bzw. „neudeutsch“ der Anchorman von ZIB2 des ORF, ist übrigens auch dieser Meinung. Wie sonst ist es zu erklären, dass er über lange Zeit nicht müde wurde, H.C.Strache seine Teilnahme an „Wehrsportübungen“ (Paintballspiele) im jugendlichen Alter vorzuwerfen, um damit seine Legitimation als demokratischer Politiker in Zweifel zu ziehen?

Armin Wolf unterhält seine eigene Facebookseite, auf der er offen und ungehemmt seine politische Haltung vor sich herträgt und äußerst aktiv im Sinne seiner Weltanschauung agitiert. In der Info zu seiner Person schreibt er auf seine Facebookseite:

Moderator ZiB2 | 22h00 ORF2+3sat | Das ist keine ORF-Seite. Die Meinungen hier sind die meinen. 

Allerdings geht diese Abgrenzung ins Leere. Da Herrn Wolfs stark politisch gefärbte Beiträge nicht von überragender Eloquenz und rhetorischer Brillanz getragen sind und auch nicht durch sensationelle Enthüllungen auffallen, liegt der Schluss nahe, dass ihre große Leserzahl seiner Bekanntheit als Nachrichtensprecher zuzuschreiben ist. Die „private“ Meinung des Herrn Wolf erhält also eine öffentliche Breitenwirkung, die sie ohne seine Mitarbeit bei seinem zur Objektivität verpflichteten Dienstgeber niemals hätte, wodurch die Objektivitätsverpflichtung des ORF eindeutig konterkariert wird.

In seiner Täigkeit als Journalist beim ORF ist Herr Wolf dem Objektivitätsgebot genau so verpflichtet wie der ORF. Dass Herrn Wolf im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit der Spagat zwischen seinen persönlichen Meinungen und dem Objektivitätsgebot – euphemistisch formuliert – eher selten gelingt, kann jeder wahrnehmen, dem der Grad der eigenen Indoktrination nicht bereits das Hirn verkleistert hat.

Es ist nicht egal, was jemand in seiner Freizeit macht, und das gilt auch für Mitarbeiter eines öffentlich-rechtlichen Mediums, das diesen Auftrag ernst zu nehmen vorgibt.

Die importierte Gewalt gegen Frauen


Zweifellos ist es für viele Multikulti-Fans verstörend, wenn viele der von ihnen ins Land gebetenen Asylforderer nun Punkt für Punkt die düsteren Vorhersagen jener Warner und Mahner „abarbeiten“, die von den Migrantenbeklatschern pauschal als Nazis, Pack und islamophober Bodensatz unserer ach so toleranten Gesellschaft bezeichnet werden.

Deshalb beeilen sich nun einige besonders bornierte Realitätsverweigerer, durch hanebüchene Aussagen den Fokus der Argumentation nach der von sexueller Gewalt gegen Frauen bestimmten Silvesternacht von Köln dahin zu verschieben, wohin er – zumindest jetzt – nicht gehört, nämlich zur männlichen Gewalt gegen Frauen als ein ganz allgemein in allen Kulturen gegebenes Phänomen. Quintessenz all dieser dreisten Schönrederei ist die Aussage: „Die Vorgänge von Köln sind kein Auswuchs einer bestimmten Kultur.“ Geht’s noch?

Natürlich und bedauerlicherweise gibt es männliche Gewalt gegen Frauen in allen Kulturen dieser Welt, aber diese bloß qualitative Aussage enthält mehr Täuschung und Irreführung als Wahrheit, wenn sie unter völliger Ausblendung quantitativer Gegebenheiten getätigt wird.

Seit sich Schweden selbst zum Einwanderungsland erklärt hat und Millionen Zuwanderer vorwiegend aus der muslimischen Welt diesem Ruf gefolgt sind, hat sich die Zahl der Vergewaltigungen in Schweden um das vierzehn(!)fache erhöht. Die Täter waren in überwältigender Mehrheit muslimische Männer. Beispiele wie diese – vielleicht mit weniger krassen Zahlen – ließen sich wohl noch viele anführen, aber man versteht wohl auch so, worauf ich hinaus will: Wenn die Übergriffe gegen Frauen in einem bestimmten Kulturkreis um ein vielfaches häufiger sind als in anderen Kulturkreisen, dann ist dieser Umstand sehr wohl ein Auswuchs dieses bestimmten Kulturkreises – da beißt die Maus keinen Faden ab.

Dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau in jenen Ländern, in denen der Großteil der Zuwanderer sozialisiert wurde, auf Grund von Recht, Gesetz und Religion dieser Länder von Gewalt gegen Frauen geprägt ist, kann wohl niemand bestreiten – und dass die Zuwanderer aus diesen Ländern diese Prägung nicht ablegen wie ein verschwitztes Hemd, auch nicht.

Daher, und zu meinem Bedauern: Die Vorgänge von Köln sind sehr wohl ein Auswuchs einer bestimmten Kultur.

Wenn unsere Politclowns weiterhin unbeirrbar Millionen von Vertretern dieser rückwärtsgewandten, faschistoiden Kultur durch ungesicherte Grenzen auf Europa und seine Menschen loslassen, werden die Sicherheitstips unseres Polizeipräsidenten wohl bald nicht mehr ausreichen. Und der Ratschlag der Kölner Bürgermeisterin Reker, Frauen sollten zu möglichen Angreifern zumindest eine Armlänge Distanz halten, wird in nicht allzu ferner Zukunft wohl nur dann greifen, wenn die weibliche Hand am Ende dieses Arms eine Waffe trägt.

 

Zeitreise im „Schwarzenberg“


Ich bin altmodisch. In jeder Hinsicht. Aufgrund meines Alters darf ich dafür bereits mit einem gewissen Verständnis meines Umfeldes rechnen. Früher durfte ich das eher nicht. Aber ich war eigentlich immer schon altmodisch. Schon als Halbwüchsiger, wenngleich ich das damals vor meinem Umfeld und vor mir selbst zu kaschieren versuchte. Ich trug zeitgemäße lange Haartracht, bunte Hemden mit riesigem Kragen und Jeans, deren „ausgestelltes Bein“ nach unten hin so breit wurde, dass der ganze Schuh darunter verschwand. Trotzdem habe ich meine Schuhe immer geputzt.

Wenn ich etwas wollte, sagte ich „bitte“, und ich sagte „danke“, wenn ich es bekam. Nachbarn, denen ich begegnete, pflegte ich zu grüßen, und Damen hielt ich beim Betreten eines Lokals die Türe auf und half Ihnen aus dem Mantel. Lieber wäre ich anders gewesen. Eher lässig. Eher so wie jene zum Platzen virilen Exemplare meiner Altersklasse, die sich um solche verzopften Rituale nicht scherten, die sich um nichts bemühten und alles bekamen. Gerne hätte ich auch ein Lokal in Begleitung einer jungen weiblichen Schönheit betreten, ohne von ihr überhaupt erkennbar Notiz zu nehmen. Ebenso gerne hätte ich den schmachtenden Gruß anderer ebenso schöner Mädchen lässig erwidert und dabei die Zigarette im Mundwinkel gelassen.

Aber all das konnte ich nicht. Nicht nur, weil ich nicht rauchte. Ich konnte es nicht, weil ich eben altmodisch war – und offenbar genetisch so angelegt. Man sah es mir an. Selbst wenn ich gelegentlich Lokale besuchte, in denen alles geraucht wurde außer Zigaretten, hat man mir nie, nicht ein einziges Mal, ein solches Kraut angeboten. Nicht für Geld und schon gar nicht umsonst.

Ich habe bald kapituliert. Die Jeans mit ausgestelltem Bein und die bunten Hemden tauschte ich gegen nach damaligen Begriffen „sportlich-elegante“ Kleidung, trug meine Haare wieder kürzer. Auch mein Frauenbild war immer schon altmodisch gewesen und ich bekannte mich nun dazu. Bluse, Rock und Nylons gefielen mir schon damals an Frauen um Lichtjahre besser als Baumwollleibchen und Jeans – egal ob eng oder im Schlabberlook – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich mied nun Lokale, die nicht für mich gedacht waren. Lieber besuchte ich solche, in denen Publikum und Betreiber noch Wert auf eine gepflegte äußere Erscheinung legten. Dort fühlte ich mich wohler, heimischer. Und die Wahrscheinlichkeit, auf junge Damen mit dem von mir bevorzugten Stil zu treffen, war deutlich höher. Seit dieser Zeit besuche ich das Wiener Kaffeehaus „Schwarzenberg“ regelmäßig.

Dem „Schwarzenberg“ bin ich treu geblieben, auch als sich dort das Erscheinungsbild der Gäste schön langsam dem Zeitgeist angepasst hatte und auch dort weibliche Eleganz unter den Gästen zu den eher seltenen Phänomenen zählte. Heute halte ich es mit meiner Liebe zum Wiener Kaffeehaus wie Peter Altenberg. „Das Kaffeehaus ist ein Ort für Menschen, die gerne alleine sind und dazu Gesellschaft brauchen“ war einer seiner schönen Aphorismen, und das sehe ich auch so.

Eines Tages – es ist nicht allzu lange her – wollte ich wieder einmal in Gesellschaft alleine sein. An diesem spätherbstlichen Nachmittag betrat ich also das sehr gut besuchte „Schwarzenberg“ und konnte an einem der Tische in der Mitte des vorderen Saales einen Platz ergattern. Der Kellner Andreas – er bedient mich in diesem Lokal seit knapp vierzig Jahren und an dieser Stelle danke ich ihm dafür herzlich – begrüßte mich mit Handschlag, nahm meine Bestellung entgegen und ließ mich mit meiner mitgebrachten Lektüre alleine. Bald war ich in meinem Buch versunken und das umgebende Geräusch von Stimmen, Schritten und leisem Klirren von Gedecken war mir wie angenehme Hintergrundmusik.

Plötzlich nahm ich das Stakkato sich nähernder Schritte wahr, und als ich aufblickte, konnte ich kurz in die Augen einer wunderschönen Frau sehen, bevor sie ihren Blick von mir nahm und an meinem Tisch vorüber ging. Mein Gott, dachte ich, mein Gott – was für eine Erscheinung wie aus einer vergangenen Zeit! Ein von kleinen Stirnlöckchen umrahmtes, ebenmäßiges Gesicht, leicht schräg geschnittene, dunkle, blitzende Augen mit einem leicht spöttischen Blick und eine im ganzen sehr elegante, weibliche Erscheinung war alles, was ich in diesem kurzen Augenblick wahrnehmen hatte können. Einen kurzen Gedanken noch verschwendete ich an die Frage, ob diese Schönheit wohl in männlicher Begleitung sei und versuchte dann, mich wieder in mein Buch zu vertiefen.

Eine oder zwei Seiten hatte ich – nicht sehr konzentriert – gelesen, als ich es wieder hörte: Das Stakkato ihrer Schritte, diesmal von hinten kommend. Offensichtlich hatte sie ihre Toilette erledigt und war auf dem Weg zurück zu ihrem Platz. Auf ihrem Weg zum anderen Saal des „Schwarzenberg“ konnte ich ihr lange nachsehen, und was ich sah, gefiel mir sehr. Was für ein leichter, geradezu schwebender Gang, den sie da in ihren hohen Schuhen zeigte. Das leichte, dezente Wiegen ihrer Hüften harmonierte perfekt mit ihrer geraden Haltung, und ihr knapp knielanger Rock, die Seidenbluse mit besticktem Kragen und der taillierte Blazer vollendeten das Bild ihres eleganten Auftritts.

Ich klappte meinen Mund zu und das Buch wieder auf und versuchte, den Faden seiner Handlung wieder aufzunehmen. Das gelang mir nicht wirklich. Nachdem ich die nächste Seite zweimal gelesen und ihren Inhalt noch immer nicht erfasst hatte, beschloss ich, mich durch Lektüre einer Tageszeitung auf andere Gedanken zu bringen. Ich stand auf, begab mich zum Zeitungsständer neben dem Eingang und vertiefte mich in die Auswahl, als ich ihre Schritte wieder hörte. Sie kam – alleine – aus dem anderen Saal und ging direkt auf mich zu.

Sehr knapp ging sie an mir vorbei, wieder streifte mich ihr Blick, und ich roch die zarte Frische ihres Parfums. Sie ging zum Garderobenständer neben dem Eingang, griff nach kurzer Suche nach ihrem Mantel und wollte ihn anziehen. Ihre Handtasche hatte sie abgelegt, aber der Mantel schien nicht so zu wollen wie sie. Ein Ärmel war scheinbar umgestülpt, und bei ihrem zweiten Versuch, ihren Arm in diesen zu schieben, sah ich meine Chance gekommen. Ein kleines Zeitfenster hatte sich aufgetan, ich wollte es nützen für eine schicksalhafte Begegnung mit dieser Schönheit.

Ich legte die Zeitung beiseite, ignorierte meinen Herzschlag, der sich im Hals bemerkbar machte und trat auf sie zu. „Darf ich Ihnen behilflich sein?“ fragte ich und nahm ihr den Mantel aus der Hand. Sie trat einen halben Schritt zurück und schenkte mir wieder einen Blick aus ihren dunklen, leicht schräg geschnittenen, blitzenden Augen. Sie taxierte mich unverhohlen und es schien, als nähme sie mich jetzt erst überhaupt wahr. Ein leises Zucken erschien um ihre Mundwinkel, ihr Körper straffte sich ein wenig, sie öffnete ihre schönen, blassrot geschminkten Lippen und sagte in breitem wienerischen Dialekt: „Ihr alten Scheißer glaubts wohl, ohne Euch geht gar nix!“

Ich gab ihr ihren Mantel wieder und war zurück auf der Erde. Meine Zeitreise war beendet.

Tag der Schande


In der Nacht vor der Heimkehr der deutschen Fußballnationalmannschaft aus Brasilien waren die deutschen Medien-Ayatollahs von einem kollektiven Albtraum heimgesucht worden. In diesem Albtraum hatten die deutschen Fußballer bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien sämtliche der von ihnen erzielten Tore vor den Augen der ganzen Welt deutlich erkennbar in voller Absicht geschossen, danach unbeherrschte Freude gezeigt und das alles unter dem frenetischen Beifall einer irregeleiteten, offensichtlich einem rassistischen Herrenmenschendünkel verfallenen Anhängerschaft. Nach der durch keine Entschuldigung zu rechtfertigenden deutschen Eroberung des WM-Pokals hatten die Hauptübeltäter bei ihrer Heimkehr auch noch die tapferen Argentinier durch ein entsetzliches, ungeheuer böses, rassistisches Spottlied vor den Augen einer geschockten Weltöffentlichkeit verhöhnt.

Dem Himmel sei Dank, dass all das nur ein kollektiver Albtraum war. Deutschland hat sich in Wahrheit während der Fußballweltmeisterschaft – von einigen, leider nicht gänzlich harmlosen Ausrutschern abgesehen – so wie es die historisch belastete Vergangenheit Deutschlands erfordert, der Weltöffentlichkeit gezeigt: Demutsvoll, bescheiden und erkennbar im Bewusstsein seiner kollektiven Schuld.

Nach jedem Tor, das die deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zwar ohne jede böse Absicht, sondern vielmehr durch mangelnde Unterdrückung antrainierter Reflexe gegen ihre Gegner erzielt haben, schlug sich der unglückliche Torschütze beschämt die Hände vors Gesicht, und alle seine Mitspieler wandten sich mit ungläubigem Kopfschütteln von ihm ab. Der deutsche Bundestrainer Jogi Löw hörte mit schreckgeweiteten Augen zu popeln auf, und im deutschen Fansektor wurde es totenstill.

Nach dem Finale brachten die deutschen Sportkommentatoren vor laufenden TV-Kameras ihre Betroffenheit zum Ausdruck, hatte es sich nach ihrer Meinung doch wieder einmal vor den Augen der ganzen Welt offenbart, dass Deutschland immer noch nicht ganz zu trauen ist. Nicht genug, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft beim 7:1 über Brasilien völlig vergessen hatte, wie man sich als Gast zu benehmen hat, hat sie dann durch ihr ungestümes Spiel einer zweiten südamerikanischen Mannschaft den Pokal vor der Nase weggeschnappt.

Eigentlich hätte der deutsche Torwart Manuel Neuer den deutschen Fehltritt gegen den Gastgeber Brasilien gerne beim Elfmeterschießen gegen Argentinien wieder gut gemacht, indem er dabei seinen Aktionsbereich wie vorher schon oft vor den Strafraum verlegt hätte. Mag sein, dass das regelwidrig gewesen wäre, aber hätte das diesen Schiedsrichter gekümmert?

Aber leider konnte es dazu gar nicht kommen.  Ganz Deutschland beweint das Missgeschick Mario Götzes, der den Ball eigentlich dem argentinischen Torwart zuspielen wollte und dabei, um den Schein zu wahren, ein bisschen schärfer durchgezogen und damit Deutschland viel zu kurz vor Schluss der Partie unglücklicherweise 1:0 in Front gebracht hat.

Nach der Heimkehr der deutschen Mannschaft leisteten die Spieler mit tränenerstickter Stimme öffentlich Abbitte, versprachen, ihre Spielergehälter bis zur nächsten WM notleidenden südamerikanischen Trainern zu spenden und verließen die Bühne schluchzend und gramgebeugt. Auf der Berliner „Fanmeile“ wurden Mahnwachen abgehalten, in ganz Deutschland formierten sich Lichterketten und in Zukunft wird Deutschland den 13.Juli als „Tag der deutschen Schande“ begehen.

Die FIFA hat Deutschland zugesagt, bei zukünftig entsprechend angemessenem Verhalten Deutschlands die nächste deutsche Teilnahme an WM-Qualifikationsspielen schon für die Fußballweltmeisterschaft 2118 wohlwollend in Erwägung zu ziehen. Entsprechende, an seinen Urenkel und zukünftigen FIFA-Präsidenten gerichtete Verfügungen hat der derzeitige FIFA-Präsident Joseph Blatter bei einem Notar seines Vertrauens bereits hinterlegt. Darin ist auch verfügt, dass, um im Zuge der Vergabe der Ausrichtung der WM 2022 an Katar aufgekommene böse Gerüchte ein für allemal auszuräumen, die WM 2118 in der Antarktis auszurichten ist.

Herbert


Mein zehnter Blog ist ein willkommener Anlass, zur Abwechslung eine Geschichte zu erzählen, die ohne tierischen Ernst auskommt und in ihrer Art ein leiser Abgesang auf einen Teil der Wiener Kultur ist, den es vielleicht bald gar nicht mehr geben wird.

Dieser Abgesang gilt einer besonderen Art von Wiener Kaffeehaus, in der das Kaffeetrinken geschätzte Nebensache ist. Hier trifft man einander, um Zeitung zu lesen, zu politisieren und um zu spielen. Schach und Bridge waren über Jahrhunderte wichtige Bestandteile zivilisierter, intellektueller europäischer Kaffeehauskultur, und zahlreiche Meister dieser anspruchsvollen Künste haben ihre ersten Sporen im Kaffeehaus verdient.

Heute werden Schach und Bridge zunehmend im Internet gespielt. Man kann sein Gegenüber weder mit Handschlag begrüßen noch sehen und weiß eigentlich nie, ob man eine Schachpartie gegen einen Menschen oder gegen einen Computer, den das unsichtbare Gegenüber zu Hilfe genommen hat, spielt. Jene wenigen nicht computeraffinen Zeitgenossen, die es vorziehen, echte Schachfiguren und echte Karten in der Hand zu halten und den Spielpartner als lebendiges Gegenüber erleben zu können, werden vielleicht bald ausgestorben sein.

Aber noch gibt es ein paar dieser Überlebenden einer versinkenden Epoche und noch treffen diese einander in den wenigen verbliebenen Wiener Kaffeehäusern alten Stils, deren schäbige Eleganz in einem perfekten Kontrast zum oft skurrilen Erscheinungsbild ihrer Besitzer steht.

Kennen Sie ein Wiener Kaffeehaus, in dem der Chef den Betrieb von einem Liegestuhl aus, den er im Gastraum aufgestellt hat, überwacht? Ein solches Kaffeehaus, das alte „Old Vienna“, gab es in Wien und es war bis vor wenigen Jahren im Besitz von Herbert, seinem „Chef“ und Inhaber dieses Liegestuhls. Nicht immer hatte Herbert sein Kaffeehaus vom Liegestuhl aus dirigiert. In der Blütezeit des „Old Vienna“ hatte es gegolten, Köchinnen und Servierpersonal umsichtig zu kommandieren, und Herbert hatte das stets aufrecht und mit strenger Hand getan, auch wenn gerade eine seiner ansehnlichen Töchter hinter dem Tresen gestanden war. In den Liegestuhl ist er erst übersiedelt, als er der Meinung war, es wäre Zeit, sich „zur Ruhe zu setzen“. Sein Kaffeehaus war dann sein Wohnzimmer, und er war von da an Chef und Gast in einer Person.

Herbert besaß in der Blüte seiner Jahre als „Cafetier“ drei Wiener Kaffeehäuser, aber keines liebte er wie sein „Old Vienna“ und keines war so liebevoll eingerichtet wie dieses Kaffeehaus, das zu Recht den Anspruch erhob, ein führender Repräsentant monarchischer Kaffeehauskultur zu sein, auch wenn es außerhalb des Wiener Gürtels lag. Dort wurde auf Wiener Art gegessen, genascht, Kaffee getrunken und vor allem gespielt: Schach, Bridge, Tarock und als Tribut an die Neuzeit leider auch am „Einarmigen Banditen“.

Der überwiegende Teil der Gäste waren Stammgäste, die das „Old Vienna“ zu einem unvergleichlichen Wiener Biotop formten. Das Stammpublikum setzte sich aus einem repräsentativen Querschnitt der Wiener Bevölkerung samt Gästen mit „Migrationshintergrund“ zusammen und an den Schachtischen waren von Spielern und Kiebitzen Kommentare in allen Sprachen der alten Kronländer zu hören.

Natürlich gab es auch ein soziales Gefälle unter den Stammgästen des „Old Vienna“, aber dieses orientierte sich an völlig anderen Kriterien als in der Welt „ draußen“. Hier genoss Ansehen, wer am Schachbrett oder Bridgetisch zu brillieren wusste, und es bedeutete wenig, „draußen“ ein erfolgreicher Primararzt zu sein, wenn man hier im Kaffeehaus nur zu den mittelmäßigen Schachspielern zählte. So hingen die Augen der draußen Wohlsituierten und Erfolgreichen oft andächtig an den Lippen des einen oder anderen Langzeitarbeitslosen, wenn dieser gerade die brillante Lösung eines kniffligen Schachproblems präsentierte. Für den Mittelmäßigen war es dann eine besondere, ihm huldvoll gewährte Ehre, diesem Meister den Kaffee und die Zigaretten bezahlen zu dürfen.

Sein Kaffeehaus bot Herbert immer ein reiches Betätigungsfeld. Er spielte Schach und Tarock mit den Gästen, schnauzte sein Personal an und kochte auch – nicht besonders gut, aber mit Leidenschaft und Würze. Er selbst war der wohl größte Genießer seiner eigenen Küche, und es kam schon vor, dass die Kellnerin einem Gast, der das auf der schwarzen Tafel vor dem Lokal angepriesene Reisfleisch bestellen wollte, kurz, bündig und mit slowakischem Akzent beschied: „Nix mehr da, Chef hat selber gegessen.“

Nie saß Herbert selbst am „Einarmigen Banditen“, aber als Aufsteller stand ihm ein Teil des Erlöses zu. Diesen Erlös – und nicht nur diesen – verspielte er „in seiner Freizeit“ konsequent im Casino. Dieses Laster hat letztlich den langsamen, aber kontinuierlichen Niedergang von Herberts kleinem Imperium und des alten „Old Vienna“ zumindest beschleunigt.

Zu seinen Gästen hielt Herbert vertrauliche Distanz. Von ihm geduzt zu werden war die unterste, eigentlich noch bedeutungslose Stufe auf der langen Leiter zu seinem Herzen. Von dieser Stufe konnten sich nur jene höher arbeiten, die über viele Jahre sein „Old Vienna“ regelmäßig, am besten täglich besuchten, mit ihm ausdauernd Tarock und Schach spielten und seine Küche lobten.

Die persönliche Note seiner Küche lag Herbert auch dann noch sehr am Herzen, wenn ihn Tarock und Schach daran hinderten, selbst lange in der Küche zu stehen. Daher ließ er es sich nicht nehmen, auch an Speisen, die eine  Köchin zubereitet hatte, letzte Hand zu legen. Das Ergebnis einer solchen „Intervention meisterlicher Hand“ war ein anekdotisches Ereignis, das in seiner Kürze Herberts Kochkünste und deren Würdigung durch seine Gäste mehr als treffend beschreibt.

Dieses Ereignis hat sich zu einer Zeit zugetragen, als Herbert schon in den Liegestuhl übersiedelt war, aus welchem er sich beim nachmittäglichen Eintreffen seiner Tarockpartner unter freudigen Schmähungen seiner Gäste ächzend erhob. Durch seinen kundigen Eingriff hatte die kleine Auswahl vorrätiger Speisen bereits ihren letzten, überaus würzigen Schliff erhalten und wartete auf ihre wertschätzenden Genießer.

Die Tarockrunde hatte Platz genommen, die ersten beiden Runden waren gespielt und die ersten Gläser bereits geleert, als Franz, einer von Herberts Tarockpartnern, Hunger verspürte. Bei der herbeigerufenen Kellnerin orderte Franz in urwienerischem Dialekt ein „Gulasch“, und eine neue Kartenrunde begann.

Dann wurde das „Gulasch“ serviert, und Franz begann mit den ersten Bissen, ohne die Karten abzulegen. Franz hatte als Kettenraucher eine heisere, aber tragende Stimme, und so war sein hüstelnd vorgebrachter Kommentar zum „Gulasch“ im ganzen Lokal zu vernehmen. „Hearst“ sagte er zu Herbert, „Dein Gulasch is ja net zum fressn, so scharf is des!“

Mit seiner fürsorglichen Replik zeigte Herbert durchaus Verständnis für die etwas empfindliche Konstitution seines Gastes: „Hearst Depperter“, sagte er liebevoll, „waunst nix Scharfes vertragst, muaßt Dir a Grießkoch bestelln.“

Nach einer kurzen Pause war Franz zu hören: „ Des is bei Dir aber aa scharf.“

Womit dem alten “Old Vienna”, Herbert und seiner Kochkunst ein würdiges Denkmal gesetzt ist.

Von Marilyn Monroe zu Conchita Wurst – ein Epilog


Es wird nicht viele Soldatenspinde gegeben haben im Amerika der 1950er Jahre, an deren Innenseite kein für damalige Begriffe aufreizendes Abbild Marilyn Monroes angepinnt war. Marilyn Monroe war das “Pin-up girl” ihrer Zeit, ein Idol der Massen und Fleisch gewordener Traum vieler junger Männer. Sie verfügte über ausgeprägt weibliche Attribute, die geeignet waren, Männerphantasien anzuregen und des Frauenbild der damaligen Zeit entscheidend zu beeinflussen. Gerade solche Frauen scheinen aber auch dazu prädestiniert, neun Monate nach der Realisierung solcher Phantasien gesunden Nachwuchs begünstigt durch ihren sehr weiblichen Körperbau schonend zur Welt zu bringen und anschließend mit ihrer prächtigen Oberweite ausgiebig zu nähren.

Die Evolution hat eben unser Äußeres und unsere Wahrnehmung so geformt, wie beides für das Weiterbestehen unserer Art nützlich ist. Auf die für die Fortpflanzung nun einmal nötigen Erzeuger wirken gerade jene weiblichen Formen anziehend, die für den als Folge dieser Anziehung gezeugten Nachwuchs gut und und teils sogar lebenswichtig sind.

So war es wohl schon vor einigen Millionen Jahren, so war es immer noch in den 1950er Jahren, und Teil des amerikanischen Traumes waren damals junge Frauen, deren Körperlichkeit der von Marilyn zumindest nahe kam. Marilyn war die „Sexbombe“ ihrer Zeit und sie hatte zumindest äußerlich alles, was auch heute noch Männer zum Schwärmen bringen könnte. Nur würden ihr viele dieser Männer heute statt dem Prädikat “Sexbombe” das ein wenig despektierliche, aber herzhafte Gütesiegel „geile Alte“ verleihen.

Oder doch nicht?

Schon in den 1960ern schien – zumindest in der westlichen Welt – einiges anders geworden zu sein. Marilyns Formen waren dem neuen Geschmacksdiktat entsprechend plötzlich zu üppig. Dem neuen Schönheitsideal entsprach nunmehr der Prototyp der magersüchtigen Frau, der in dem Model „Twiggy“ seine vermutlich erste weltweit bekannte Verkörperung fand. Bis heute propagieren die Modeschauen und Illustrierten Magazine der westlichen Welt eine Art von Frau, deren krankhaft anmutender magerer Körperbau und androgyn gestylte Erscheinung Zweifel daran aufkommen lassen, ob die Wahl eines männlichen Partners und in weiterer Folge Mutterschaft überhaupt noch ihrem neuen Konzept von Weiblichkeit entspricht.

Genau da scheint auch “der Hase im Pfeffer zu liegen”. Nach den klassischen körperlichen Attributen der Weiblichkeit scheint auch das Konzept von Familie und Mutterschaft in der westlichen Welt aus der Mode gekommen zu sein. Auch die Vorstellung einer Familie, in der Mutter und Vater ihre Kinder in der Weise arbeitsteilig aufziehen, dass der Vater für das Einkommen sorgt, während die Mutter sich um Haushalt und Kindererziehung kümmert, ist von linken Ideologen längst als emanzipationsfeindlich, sexistisch und daher politisch nicht korrekt diskreditiert. So ist dieses überkommene Modell der „heilen Familie“ in unserer westlichen Welt auf dem Rückzug und findet hier sein letztes Refugium in den Gehirnen einiger “rückwärtsgewandter Reaktionäre” und in der Waschmittelwerbung.

Die deshalb immer wahrscheinlicher werdende demographische Katastrophe wird allerdings im öffentlichen politischen Diskurs weitgehend ausgeblendet. Stattdessen zerbricht man sich den Kopf über politisch korrekte Alltagssprache und Schwulenehe. Tatsächlich hätte man der menschlich berechtigten Forderung der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften umgehend und mit einem „Federstrich“ stattgeben können, statt durch jahrelange sinnlose Debatten jene politische Scheintätigkeit zu entfalten, mit der man so gerne über den weitgehenden Verlust der politischen Kompetenzen an die EU-Führung hinwegtäuschen möchte. Ob man die Verbindung homosexueller Paare legalisiert oder nicht, hat nämlich keinerlei Einfluss auf die Bereitschaft heterosexueller Paare, mehr Kinder zu zeugen und großzuziehen.

Die Politiker wären gut beraten, ihre verbliebenen Lösungskompetenzen zur Abwendung der drohenden demographischen Katastrophe einzusetzen, statt mit öffentlichkeitswirksamen Spiegelfechtereien von ihr abzulenken. Dies hätte durch die Schaffung eines veränderten sozialen Bewusstseins und wirtschaftlichen Umfeldes zu geschehen, in dem die Wünsche nach passablem Lebensstandard und mehreren Kindern einander nicht ausschließen. Eine auch in Zukunft gesicherte Altersvorsorge für alle wäre dann nicht mehr so illusorisch wie unter den derzeitigen Gegebenheiten.

Nach einer über Jahrzehnte geübten, fahrlässig familienfeindlichen Politik versuchen viele unserer Politiker immer noch, den demographischen Verwerfungen durch die Forderung nach noch mehr Einwanderung gegenzusteuern. Sie wollen uns glauben machen, dass mit dieser gegen die eigene Bevölkerung gerichteten Maßnahme das Problem einer bald auf dem Kopf stehenden Alterspyramide nachhaltig und zu unserem Besten zu lösen wäre. All jene, die dadurch unsere nationale und kulturelle Identität sowie den Sozialstaat gefährdet sehen und wagen, das auch öffentlich zu äußern, werden als rechtsradikal und rassistisch diffamiert. Dann wenden sich diese “liberalen” Politiker wieder ihrer wichtigsten Agenda zu, die darin besteht, die klassische, aus Vater, Mutter und mehreren Kindern bestehende Familie auf dem linksideologischen Altar individueller Selbstverwirklichung zu opfern.

Und so war das Erscheinen unserer neuen Ikone namens Conchita Wurst eine eigentlich längst überfällige Konsequenz. Conchita, ein als Dame mit Bart auftretender, zierlicher, schwuler, junger Mann von makelloser androgyner Schönheit gewinnt den Songcontest für Österreich und entzückt nach seiner triumphalen Heimkehr, immer weiter das gleiche Liedchen singend, das siegestrunkene Publikum. Publicitygeile Politikerdarsteller springen auf den „fahrenden Zug“ auf und bejubeln mit gerührten Wortspenden politisch korrekt die durch „unsere Conchita“ ausgelöste angebliche Welle gesamteuropäischer Toleranz. Am besten gefällt den Machern der veröffentlichten Meinung aber sicher, dass beim Anblick dieses „Gesamtkunstwerkes“ der zutiefst reaktionäre Gedanke an heterosexuelle Paarung gar nicht erst aufkommt.

Wenn das kein Grund zur Freude ist, was dann?

„Anrüchige“ Texte bei der Zentralmatura


Im Rahmen der österreichischen „Zentralmatura 2014“ in Deutsch wurde in einer vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE) verfassten Aufgabenstellung den Maturantinnen und Maturanten ein Text zur Interpretation vorgelegt, in dem ein Weinbauer in seinem Weingarten eine Schnecke findet und große Bewunderung für ihre äußere, sein Schönheitsempfinden sehr ansprechende Gestalt hegt. Aber nach einigem Zögern tötet er sie, weil er das Gedeihen seines Weingartens über das Leben dieses „Schädlings“ stellt.

Die „IG Autorinnen Autoren“ hat scharf kritisiert, dass dieser Text den Schülerinnen und Schülern ohne Verdeutlichung des historischen Kontexts und insbesondere ohne Hinweis auf die Rolle Hausmanns im Nationalsozialismus vorgelegt worden ist. In der Begründung hat „IG Autorinnen Autoren“ sinngemäß erklärt, dass der Autor dieses Textes, Manfred Hausmann, im nationalsozialistischen Deutschland immerhin auch Mitarbeiter der NS-Wochenzeitung „Das Reich“ gewesen war. Genau deshalb, so die „IG Autorinnen Autoren“, würde dieser Text eine Interpretation im Sinne einer Rechtfertigung rassistischer Ideologien bis hin zur Vernichtung „minderwertigen Lebens“ geradezu herausfordern.

Nun könnte man den Standpunkt vertreten, dass ein Text ja schließlich nur für sich selbst spräche und man getrost außer Acht lassen könne, wer ihn verfasst hat und durch wen er fallweise zitiert wird. Ob das so ist, versuche ich im folgenden, scheinbar trivialen Beispiel zu untersuchen.

Zwei Freunde bewohnen ein Haus und rüsten sich für einen gemeinsamen Spaziergang. Der eine geht kurz vor die Tür, kommt zurück und erklärt: „Draußen ist es kalt“. Eine an sich einfache Aussage, die – scheinbar – wenig Spielraum für unterschiedliche Interpretationen offen lässt. Dies gilt, solange man nicht berücksichtigt, wie es um die individuelle Empfindung von Wärme und Kälte beim Überbringer der Botschaft und bei deren Empfänger bestellt ist. Empfinden beide gleich und wissen das auch, bleibt der Sachverhalt überschaubar und einfach. Der Empfänger der Botschaft tut gut daran, sich vor Verlassen des Hauses mit entsprechender Kleidung vor Kälte zu schützen.

Wesentlich komplizierter wird es, wenn die Kälteempfindlichkeit des einen deutlich stärker ausgeprägt ist als die des anderen. Dann kann die Botschaft vom Empfänger erst dann richtig interpretiert werden, wenn beide um die unterschiedliche Kälteempfindlichkeit des jeweils anderen Bescheid wissen und der Empfänger außerdem weiß, ob sein Freund die Aussage nach dem Maßstab seiner eigenen Kälteempfindlichkeit oder nach der des Empfängers getroffen hat.

Damit wird gezeigt, dass es bei der Interpretation einer Botschaft nicht nur auf deren verbalen Inhalt, sondern auch auf die Verfasstheit von Sender und Empfänger ankommt, sowie auch darauf, inwieweit Sender und Empfänger einer Botschaft über die Konzepte des jeweils anderen Bescheid wissen und dieses Wissen in ihrer Aussage berücksichtigen. Will also ein Autor sichergehen, dass sein Text von seinen Lesern so verstanden wird, wie er von ihm gemeint ist, wird er seine Botschaft der Verfasstheit seiner zeitgenössischen Leserschaft anpassen.  Anderseits werden seine zeitgenössischen Leser gut daran tun, den Text auch im Lichte der ihnen bekannten, persönlichen Eigenheiten des Autors zu beurteilen. Für Leser späterer Generationen gilt deshalb, dass sie den Text im Lichte der ihnen bekannten Verfasstheit des Autors und der zeitgenössischen Leserschaft des Autors zu beurteilen haben.

Man kann sich also bei der Beurteilung eines Textes nicht nur auf die eigene, persönliche Rezeption dieses Textes berufen, sondern hat auch darauf zu achten, wer diesen Text für welche Zielgruppe verfasst hat. Aus diesem Blickwinkel ist der Standpunkt, ein Text könne „für sich alleine sprechen“, nicht haltbar. Deshalb hätte das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE) in der betreffenden Aufgabenstellung unbedingt auf die Rolle Hausmanns als Autor für eine NS Wochenzeitung hinweisen müssen, und auch ein relativierender Hinweis darauf, dass die  Kritiken an Hausmann umstritten sind, wäre wichtig gewesen.

Darüber hinaus ist der Text 1947, also zu einer Zeit sicher noch nicht abgeschlossener Entnazifizierung erschienen, was die Beurteilung der weltanschaulichen Positionierung sowohl des Autors als auch der damaligen Leserschaft aus heutiger Sicht sehr schwierig macht. Dadurch wird eine seriöse Interpretation des Textes zu einem fast aussichtslosen Unterfangen und ist jedenfalls Maturantinnen und Maturanten nicht zuzumuten. Deshalb ist den Verfassern der Deutschaufgabe für die „Zentralmatura 2014“ vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE) tatsächlich grobes Versagen sowohl hinsichtlich der Auswahl des Textes als auch hinsichtlich der fehlenden Hinweise auf die besondere Biografie des Autors vorzuwerfen und die Forderung nach entsprechenden Konsequenzen war berechtigt.

„Political Correctness“, die Gleichstellung der Frau und Bahnhofsuhren


Die Bemühungen zur Gleichstellung der Frau manifestieren sich auch in Versuchen, diskriminierende Elemente aus unserer Alltagssprache zu entfernen. Korrektes „Gendern“ ist das Gebot der letzten Jahre. Und daher darf ich mitteilen, dass ich diese Zeilen gerade auf „eine Computa“ verfasse. Wenn Sie nun glauben, der Versuch einer satirischen Überspitzung wäre damit mir gründlich missglückt, liegen Sie falsch.

An der Berliner Humboldt-Universität hat eine Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ eine Broschüre mit „antidiskriminierenden“ Sprachempfehlungen herausgegeben. In der Broschüre werden Beispiele „antidiskriminierender Sprache vorgestellt, unter anderen die „a-Form“, die aus dem „Drucker“ eine die Frauen nicht diskriminierende „Drucka“ macht. Die hohe Praxistauglichkeit dieser neuen Sprache wird durch einen Beispielsatz untermauert: „Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.“ Über die im Sinne des korrekten Genderns kleine Unsauberkeit im Wörtchen „erfreut“ sollten wir großzügig hinwegsehen und uns der Betrachtung zuwenden, wie und wann dieser ganze Irrsinn eigentlich begonnen hat.

Vor ca. 30 Jahren begann sich bei uns die Spezies der „Politisch Korrekten“ zu etablieren. Auf der Suche nach Gelegenheiten, ihre ersten Duftmarken zu setzen, hatten sie eine zündende Idee. Bis dahin war die Bezeichnung „Neger“ im deutschen Sprachraum ein Wort des allgemeinen Sprachgebrauchs und frei von jeder diskriminierenden oder gar verächtlich machenden Bedeutung gewesen. Aber es klang ganz ähnlich wie das übel diskriminierende amerikanische Wort „Nigger“, und so war es ein Leichtes, im deutschen Sprachraum lebende Afroamerikaner dazu anzustiften, sich in deutschen und österreichischen Talkshows über das Wort „Neger“ sehr gekränkt zu zeigen und den Wunsch zu äußern, fortan als „Schwarze“ bezeichnet zu werden.

Nicht einmal der bei einer dieser Talkshows anwesende, über jeden Verdacht rassistischer Haltung erhabene Verhaltensforscher Dr. Otto König konnte die anwesenden Afroamerikaner davon überzeugen, dass das deutsche Wort „Neger“ im Gegensatz zu dem ähnlich klingenden amerikanischen „Nigger“ im deutschen Sprachraum keinerlei abfällige und diskriminierende Bedeutung hatte. Welche Anmaßung im Übrigen darin lag, dass Menschen, deren Muttersprache nicht deutsch war, Menschen mit deutscher Muttersprache darüber aufklären wollten, dass bestimmte deutsche Worte eine andere Bedeutung hätten als von den Menschen mit deutscher Muttersprache bis dahin angenommen, schien bei diesen Talkshows niemandem aufzufallen.

Dass es der neuen Klasse der „Politisch Korrekten“ tatsächlich gelungen ist, die bis dahin völlig wertfrei gebrauchte Bezeichnung „Neger“ so umzubesetzen, dass sie heute in den Ohren jedes Menschen mit Gefühl für Anstand und Respekt übel herabwürdigend klingt, kann man wohl als einen der ersten im deutschen Sprachraum geglückten Testläufe der „Political Correctness“ bezeichnen. Davon ermutigt haben die Proponenten der „Political Correctness“ diese nach und nach zu einem Instrument jakobinischen Gesinnungsterrors entwickelt.

Um die politisch unkorrekten Dumpfbacken weiter schön auf Trab zu halten, aber vielleicht noch mehr, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen, dachten sich die Hüter der politisch korrekten Gesinnung auch immer wieder etwas Neues aus. „Schwarzer“ war auch bald politsch unkorrekt, daher tunlichst durch „Farbiger“ zu ersetzen, und nunmehr hat man im politisch korrekten Schönsprech „Afrikaner“ oder entsprechend „Afroamerikaner“ zu sagen.

So sind die „Politisch Korrekten“ den durch sie so gerne Belehrten – wie der Igel dem Hasen – immer ein Stück voraus und leiten daraus wohl das ihnen eigene hypertrophe Selbstwertgefühl ab, das sie in diversen Talkshows und Diskussionsrunden so gerne zur Schau stellen. In ihrer blasierten Selbstgerechtigkeit sind sie ständig auf der Suche nach Begriffen, über die sich ein hochsensibles Mitglied einer anderen Ethnie sehr kränken könnte, und so fühlen sich die kreativsten Köpfe dieser Antidiskriminierungswächter dazu berufen, neue Begriffe für süße Köstlichkeiten wie „Negerbrot“, „Mohr im Hemd“ oder „Eskimo-Eis“ zu erfinden.

Natürlich konnte es da nicht ausbleiben, dass die „Politisch Korrekten“ auch das an sich sehr berechtigte Anliegen der Gleichstellung der Frau als ihre ureigene Domäne reklamierten. Dass diese Bemühungen als markanteste Errungenschaft das Binnen-I samt reverser Diskriminierung in der gesprochenen Form hervorgebracht haben, ist ein weiterer trauriger Beleg für die geistige Verfasstheit der Zunft der „Politisch Korrekten“.

Selbstverständlich hat der unermüdliche Einsatz der „Politisch Korrekten“ nicht bei der Überwachung der Alltagssprache halt gemacht, sondern unterzieht inzwischen alle Bereiche von Kultur, Politik und Geschichtsbetrachtung einer strengen Zensur und hat somit das demokratische Recht der freien Meinungsäußerung neu definiert.

So werden nunmehr alle Bereiche von Kultur, Politik und Geschichtsbetrachtung von diesen neuen Jakobinern scharfäugig überwacht und jeder der gegen das, was diese als politisch korrekten Sprachgebrauch zuweilen im Wochentakt neu definieren, öffentlich verstößt, wird als rassistisch, sexistisch, extremistisch oder überhaupt menschenverachtend diffamiert und an den Pranger der veröffentlichten Meinung gestellt.

Ganze Brigaden von Sprachwissenschaftlern beschäftigen sich mit dem Aufspüren „belasteter Begriffe“ und der Frage des „politisch korrekten“ geschlechtlichen Neutralisierens von Gebrauchsgegenständen, Berufsbezeichnungen und Hymnen und verhunzen dabei unsere Sprache oft bis zur Unkenntlichkeit.

Vielleicht finden sie aber dennoch Zeit, über eine Antwort auf die Frage nachzudenken, die mir schon lange wirklich am Herzen liegt, nämlich: Wie bezeichnet man eigentlich eine Bahnhofsuhr politisch korrekt, wo doch Bahnhofsuhren auch im „Dritten Reich“ Bahnhofsuhren hießen?