Grexit? Darum!


In meinem Blog vom 12. Juni 2015 habe ich die gigantischen Öl- und Gasreserven Griechenlands zum Thema gemacht und argumentiert, dass Griechenland durch Hebung dieses Schatzes einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung erzielen kann. Dennoch, und entgegen dem von mir für jenen Blog gewählten Titel, spricht einiges dafür, dass Griechenland zwar in der EU bleibt, aber die Währungsunion verlässt.

Der österreichische Finanzminister sagte es letzte Woche, und die „Wiener Zeitung“ schreibt es jetzt: Im Falle des „Grexit“ und der Wiedereinführung der Drachme stünde Griechenland noch viel schlechter da, „Denn diese Drachme würde wohl recht deutlich gegen den Euro abwerten, die Schulden sind aber in Euro, würden also mit einem Schlag astronomisch steigen.“ ….

Dieses Argument ist auf den ersten Blick plausibel, aber deshalb nicht weniger falsch:

Ja, der numerische Wert der griechischen Schulden würde im Augenblick der Wiedereinführung der Drachme explodieren – aber im selben Maß doch auch das griechische BIP, also wären die Schulden (Gesamtverschuldung in Prozent des BIP) rechnerisch vorerst einmal weder gestiegen noch gesunken. Da aber einer der wesentlichen Gründe der „griechischen Tragödie“ in einem deutlichen Überhang der Importe lag und die Griechen sich diese mit einer schwachen Drachme in Zukunft schlicht nicht leisten könnten, spricht doch einiges dafür, dass eine wirtschaftliche Erholung Griechenlands nach einem Grexit wahrscheinlicher wäre.

Dies auch deshalb, weil Griechenland aufgrund geringerer Importe gezwungen wäre, seine realwirtschaftliche Produktivität zu steigern und deshalb – zumindest mittelfristig – ein interessanterer Partner für Investoren (man denke bloß an die riesigen griechischen Öl- und Gasreserven) wäre als jetzt, da doch derzeit der größte Teil des BIP durch „nichtproduktive“ Arbeit (Verwaltung) entsteht.

Der Reduktion griechischer Importe stünde durch die währungsbedingte Verbilligung der griechischen Exportgüter selbstverständlich ein deutlicher Anstieg der griechischen Exporteinnahmen gegenüber, was für die griechische Wirtschaft und Handelsbilanz viel heilsamer wäre als der durch den Würgegriff der EU verordnete derzeitige Sparkurs.

Ist es vielleicht nicht eher so, dass gerade dieses Szenario von den bisherigen Hauptprofiteuren des griechischen Desasters, nämlich der deutschen Exportwirtschaft, nicht erwünscht ist, besonders deshalb, weil durch die Solidarhaftung der EU für die griechischen Schulden der europäische Steuerzahler bisher eigentlich der Hauptsponsor der deutschen (Waffen)-Exporte nach Griechenland war und damit nach dem Grexit schlicht und einfach Schluss wäre?

Wahrscheinlich haben die Griechen mit ihrem „Nein“ zu dem für sie unerträglichen – und bisher völlig erfolglosen – „Sanierungskonzept“ der EU ein „Ende mit Schrecken“, aber auch ein sich am Horizont abzeichnendes Ende des Schreckens und die Chance auf wirtschaftliche Erholung gewählt.

2 Kommentare zu “Grexit? Darum!

  1. Dazu braucht es Technologie und riesige Investitionen. Bei leeren Kassen muss dann wieder das Ausland ran. Mit einer sozialistischen Regierung? Ich denke von den Chavezes dieser Welt haben die Energiekonzerne genug.

  2. Ich nehme an, Ihr Einwand bezieht sich auf den Aspekt der griechischen Gas- und Ölvorkommen. Nachdem Tsipras mit Putin über Southstream verhandelt hat und Putin – so ganz allgemein – die Bereitschaft Russlands, in Griechenland zu investieren, betont hat, würde mich nicht wundern, wenn eben der Ausbau der griechischen Gas- und Ölförderkapazitäten ein Thema gewesen wäre, über das sich die beiden Herren unterhalten haben.

    Dies auch deshalb, weil sich die USA, nachdem 1996 ihre bis dahin ungenutzten Förderlizenzen für die Ägäis abgelaufen waren, intensiv, aber bisher vergeblich um deren Erneuerung bemüht haben. Natürlich birgt dieses Thema weiteres erhebliches multilaterales Konfliktpotential.

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