Tag der Schande


In der Nacht vor der Heimkehr der deutschen Fußballnationalmannschaft aus Brasilien waren die deutschen Medien-Ayatollahs von einem kollektiven Albtraum heimgesucht worden. In diesem Albtraum hatten die deutschen Fußballer bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien sämtliche der von ihnen erzielten Tore vor den Augen der ganzen Welt deutlich erkennbar in voller Absicht geschossen, danach unbeherrschte Freude gezeigt und das alles unter dem frenetischen Beifall einer irregeleiteten, offensichtlich einem rassistischen Herrenmenschendünkel verfallenen Anhängerschaft. Nach der durch keine Entschuldigung zu rechtfertigenden deutschen Eroberung des WM-Pokals hatten die Hauptübeltäter bei ihrer Heimkehr auch noch die tapferen Argentinier durch ein entsetzliches, ungeheuer böses, rassistisches Spottlied vor den Augen einer geschockten Weltöffentlichkeit verhöhnt.

Dem Himmel sei Dank, dass all das nur ein kollektiver Albtraum war. Deutschland hat sich in Wahrheit während der Fußballweltmeisterschaft – von einigen, leider nicht gänzlich harmlosen Ausrutschern abgesehen – so wie es die historisch belastete Vergangenheit Deutschlands erfordert, der Weltöffentlichkeit gezeigt: Demutsvoll, bescheiden und erkennbar im Bewusstsein seiner kollektiven Schuld.

Nach jedem Tor, das die deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zwar ohne jede böse Absicht, sondern vielmehr durch mangelnde Unterdrückung antrainierter Reflexe gegen ihre Gegner erzielt haben, schlug sich der unglückliche Torschütze beschämt die Hände vors Gesicht, und alle seine Mitspieler wandten sich mit ungläubigem Kopfschütteln von ihm ab. Der deutsche Bundestrainer Jogi Löw hörte mit schreckgeweiteten Augen zu popeln auf, und im deutschen Fansektor wurde es totenstill.

Nach dem Finale brachten die deutschen Sportkommentatoren vor laufenden TV-Kameras ihre Betroffenheit zum Ausdruck, hatte es sich nach ihrer Meinung doch wieder einmal vor den Augen der ganzen Welt offenbart, dass Deutschland immer noch nicht ganz zu trauen ist. Nicht genug, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft beim 7:1 über Brasilien völlig vergessen hatte, wie man sich als Gast zu benehmen hat, hat sie dann durch ihr ungestümes Spiel einer zweiten südamerikanischen Mannschaft den Pokal vor der Nase weggeschnappt.

Eigentlich hätte der deutsche Torwart Manuel Neuer den deutschen Fehltritt gegen den Gastgeber Brasilien gerne beim Elfmeterschießen gegen Argentinien wieder gut gemacht, indem er dabei seinen Aktionsbereich wie vorher schon oft vor den Strafraum verlegt hätte. Mag sein, dass das regelwidrig gewesen wäre, aber hätte das diesen Schiedsrichter gekümmert?

Aber leider konnte es dazu gar nicht kommen.  Ganz Deutschland beweint das Missgeschick Mario Götzes, der den Ball eigentlich dem argentinischen Torwart zuspielen wollte und dabei, um den Schein zu wahren, ein bisschen schärfer durchgezogen und damit Deutschland viel zu kurz vor Schluss der Partie unglücklicherweise 1:0 in Front gebracht hat.

Nach der Heimkehr der deutschen Mannschaft leisteten die Spieler mit tränenerstickter Stimme öffentlich Abbitte, versprachen, ihre Spielergehälter bis zur nächsten WM notleidenden südamerikanischen Trainern zu spenden und verließen die Bühne schluchzend und gramgebeugt. Auf der Berliner „Fanmeile“ wurden Mahnwachen abgehalten, in ganz Deutschland formierten sich Lichterketten und in Zukunft wird Deutschland den 13.Juli als „Tag der deutschen Schande“ begehen.

Die FIFA hat Deutschland zugesagt, bei zukünftig entsprechend angemessenem Verhalten Deutschlands die nächste deutsche Teilnahme an WM-Qualifikationsspielen schon für die Fußballweltmeisterschaft 2118 wohlwollend in Erwägung zu ziehen. Entsprechende, an seinen Urenkel und zukünftigen FIFA-Präsidenten gerichtete Verfügungen hat der derzeitige FIFA-Präsident Joseph Blatter bei einem Notar seines Vertrauens bereits hinterlegt. Darin ist auch verfügt, dass, um im Zuge der Vergabe der Ausrichtung der WM 2022 an Katar aufgekommene böse Gerüchte ein für allemal auszuräumen, die WM 2118 in der Antarktis auszurichten ist.

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