Unsere Kinder werden uns Fragen stellen


Im ersten Weltkrieg vor nunmehr einhundert Jahren waren zehn Prozent der zu beklagenden Opfer Zivilisten, im zweiten Weltkrieg lag der Anteil der durch Kriegshandlungen getöteten zivilen Opfer bereits bei 43%. Die Art der heute von den USA und ihren Mitstreitern und Helfershelfern gepflogenen Kriegsführung hat den Anteil der zivilen Opfer von Kriegshandlungen auf 90% erhöht.

Der Zynismus der tapferen Militärs, die diese zivilen Opfer gerne als „Kollateralschäden“ bezeichnen, ist nicht zu überbieten und Kennzeichen einer Entmenschlichung von monströsem Ausmaß.

Der bei Youtube abrufbare Videoclip ist ziemlich verwackelt, aber die gezeigte, entsetzlich traurige Szene ist an drastischer Deutlichkeit nicht zu überbieten. Nach einem Luftangriff gegen „prorussische Separatisten“ im Stadtgebiet der ostukrainischen Stadt Lugansk, den die mit Hilfe der USA und der EU ins Amt gehievte neue ukrainische Regierung befohlen hat,  liegt eine junge Frau in ihrem Blut, während ein verzweifelt weinender Mann ihr auf ihren Wunsch den Ring von der Hand streift. Sie hat ihren Mann darum gebeten, „weil sie ihn nun verlassen muß“ – und das viele Blut und der Beinstummel der jungen Frau lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Trennung dieses jungen Paares eine endgültige ist.

Dieser angeblich gegen „bewaffnete Separatisten“ geführte Luftangriff hat, wie nicht anders zu erwarten, weil gegen ein belebtes Stadtgebiet geführt, nur zivile Opfer gefordert. In der Ukraine herrscht Bürgerkrieg, die Spirale der Gewalt dreht sich stetig rascher, aber in den Spitzenmeldungen unserer Medien war in den letzten Wochen hauptsächlich von Fussball die Rede.

Am 11.07.2014 wurden im Verlauf des Bürgerkrieges in der Ukraine mindestens 19 ukrainische Soldaten bei einem Raketenangriff ostukrainischer Landsleute getötet. Diesen „prorussischen Separatisten“ hat der ukrainische Oligarch, Milliardär und nebenberuflich neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko furchtbare Vergeltung angedroht. Für jeden der bei diesem Angriff getöteten ukrainischen Soldaten würden die „Rebellen“ mit dem Leben von hunderten ihrer Leute zu bezahlen haben. Herrn Poroschenko geht es also offensichtlich nicht um die Erreichung eines strategischen Zieles in diesem Bürgerkrieg, sondern um bloße Rache, bei der er möglichst viele Menschen der verhassten Gegenseite ermorden lassen will. Herr Poroschenko erweist sich damit als würdiger Nachfolger der Führer jener SS-Brigaden, die im zweiten Weltkrieg nach der Tötung deutscher Soldaten durch Partisanen ungeheuerliche Rachemassaker angerichtet haben, deren Opferzahl die Zahl der vorher durch Partisanen Getöteten ebenfalls um ein vielfaches übertraf.

Lauter als der Kampfeslärm des ukrainischen Bürgerkrieges dröhnt das Schweigen unserer diversen sonst so aufmerksamen „antifaschistischen“ Gruppierungen. Von deren Seite kam es zu keinen öffentlichen Wortmeldungen mit erhobenem Zeigefinger und betulicher Aufforderung, „den Anfängen zu wehren“, als ruchbar wurde, dass die neue ukrainische Regierung ein Mitglied in ihren Reihen hat, welches schon vor Jahren durch einen an ethnische Ukrainer gerichteten markigen Ausspruch aufgefallen ist, der ihn als würdigen Epigonen menschenverachtender Nazi-Ideologen ausweist. Dieses Regierungsmitglied ist Chef der ultrarechten ukrainischen Partei „Svoboda“ und hatte damals seine Anhänger in einer öffentlichen Rede aufgefordert: „Schnappt Euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.“

Keine Lichterketten und „Antifa“ – Demos wurden veranstaltet, als der mit Hilfe der USA und der EU ins Amt gehievte ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk in einer Beileidskundgebung an Angehörige gefallener ukrainischer Soldaten Bürgerkriegsgegner als „Untermenschen“ bezeichnet hat.

Und nun ist es unseren „Antifa“ – Wächtern nicht einmal ein Schulterzucken wert, dass der neue ukrainische Präsident Poroschenko über wahllose, vielhundertfache Vergeltung und blutige Rache an Bürgerkriegsgegnern ganz im Stil der Führer der Waffen-SS schwadroniert.

Unsere Großeltern mussten sich von jenen, denen „die Gnade der späten Geburt“ zuteil geworden war, die Frage gefallen lassen, warum sie all den Nazigräueln nicht nur untätig zugesehen haben, sondern das verbrecherische Naziregime auch noch tatkräftig unterstützt und jubelnd zum „totalen Krieg“ legitimiert haben.  Sollten wir das unwahrscheinliche Glück haben, dass der Spuk, den diverse nach dem gewonnenen „kalten Krieg“ im Machtrausch befindliche US-Administrationen in Komplizenschaft mit ihren EU-Vasallen durch ihre aggressive EU-NATO-Osterweiterung in den letzten 25 Jahren in Europa angerichtet haben, vorübergeht ohne in eine finale Katastrophe zu münden, werden wir uns ähnlichen Fragen unserer Kinder und Kindeskinder stellen müssen.

Unsere Generation wird sich die Frage gefallen lassen müssen, warum wir es zugelassen haben, dass unsere europäischen Regierungen als US-Vasallen ausschließlich im US-amerikanischen Interesse Europa nachhaltig gespalten haben, indem sie  im Zuge ihrer aggressiven EU-NATO-Osterweiterung eine faschistische, menschenverachtende Regierung im Herzen Europas geduldet und unterstützt und damit kriegerische Auseinandersetzungen in der Mitte Europas in Kauf genommen haben.

Unsere Generation wird sich die Frage gefallen lassen müssen, warum wir unseren europäischen Regierungen nicht die demokratische Legitimation entzogen haben, obwohl diese über Jahrzehnte eng mit US-Administrationen zusammengearbeitet haben, die nach dem zweiten Weltkrieg unter dem Vorwand des Schutzes von Freiheit und Demokratie Dutzende von Kriegen geführt haben, bei denen neun von zehn Opfern Zivilisten waren.

Unsere Generation wird sich die Frage gefallen lassen müssen, warum wir auf die ewig gleichen US-Propagandalügen hereingefallen sind, auch als längst für die ganze Welt erkennbar war, dass viele der von den USA vorgebrachten Kriegsgründe schlicht erlogen waren und die USA diese Kriege ausschließlich zur Wahrung eigener geostrategischer Interessen geführt haben.

Dass all dies ohne unser Wissen und stillschweigendes Einverständnis geschehen sei, werden wir als Angehörige der Internet-Generation dann nicht behaupten können.

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