„Political Correctness“, die Gleichstellung der Frau und Bahnhofsuhren


Die Bemühungen zur Gleichstellung der Frau manifestieren sich auch in Versuchen, diskriminierende Elemente aus unserer Alltagssprache zu entfernen. Korrektes „Gendern“ ist das Gebot der letzten Jahre. Und daher darf ich mitteilen, dass ich diese Zeilen gerade auf „eine Computa“ verfasse. Wenn Sie nun glauben, der Versuch einer satirischen Überspitzung wäre damit mir gründlich missglückt, liegen Sie falsch.

An der Berliner Humboldt-Universität hat eine Arbeitsgruppe für „Feministisch Sprachhandeln“ eine Broschüre mit „antidiskriminierenden“ Sprachempfehlungen herausgegeben. In der Broschüre werden Beispiele „antidiskriminierender Sprache vorgestellt, unter anderen die „a-Form“, die aus dem „Drucker“ eine die Frauen nicht diskriminierende „Drucka“ macht. Die hohe Praxistauglichkeit dieser neuen Sprache wird durch einen Beispielsatz untermauert: „Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.“ Über die im Sinne des korrekten Genderns kleine Unsauberkeit im Wörtchen „erfreut“ sollten wir großzügig hinwegsehen und uns der Betrachtung zuwenden, wie und wann dieser ganze Irrsinn eigentlich begonnen hat.

Vor ca. 30 Jahren begann sich bei uns die Spezies der „Politisch Korrekten“ zu etablieren. Auf der Suche nach Gelegenheiten, ihre ersten Duftmarken zu setzen, hatten sie eine zündende Idee. Bis dahin war die Bezeichnung „Neger“ im deutschen Sprachraum ein Wort des allgemeinen Sprachgebrauchs und frei von jeder diskriminierenden oder gar verächtlich machenden Bedeutung gewesen. Aber es klang ganz ähnlich wie das übel diskriminierende amerikanische Wort „Nigger“, und so war es ein Leichtes, im deutschen Sprachraum lebende Afroamerikaner dazu anzustiften, sich in deutschen und österreichischen Talkshows über das Wort „Neger“ sehr gekränkt zu zeigen und den Wunsch zu äußern, fortan als „Schwarze“ bezeichnet zu werden.

Nicht einmal der bei einer dieser Talkshows anwesende, über jeden Verdacht rassistischer Haltung erhabene Verhaltensforscher Dr. Otto König konnte die anwesenden Afroamerikaner davon überzeugen, dass das deutsche Wort „Neger“ im Gegensatz zu dem ähnlich klingenden amerikanischen „Nigger“ im deutschen Sprachraum keinerlei abfällige und diskriminierende Bedeutung hatte. Welche Anmaßung im Übrigen darin lag, dass Menschen, deren Muttersprache nicht deutsch war, Menschen mit deutscher Muttersprache darüber aufklären wollten, dass bestimmte deutsche Worte eine andere Bedeutung hätten als von den Menschen mit deutscher Muttersprache bis dahin angenommen, schien bei diesen Talkshows niemandem aufzufallen.

Dass es der neuen Klasse der „Politisch Korrekten“ tatsächlich gelungen ist, die bis dahin völlig wertfrei gebrauchte Bezeichnung „Neger“ so umzubesetzen, dass sie heute in den Ohren jedes Menschen mit Gefühl für Anstand und Respekt übel herabwürdigend klingt, kann man wohl als einen der ersten im deutschen Sprachraum geglückten Testläufe der „Political Correctness“ bezeichnen. Davon ermutigt haben die Proponenten der „Political Correctness“ diese nach und nach zu einem Instrument jakobinischen Gesinnungsterrors entwickelt.

Um die politisch unkorrekten Dumpfbacken weiter schön auf Trab zu halten, aber vielleicht noch mehr, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen, dachten sich die Hüter der politisch korrekten Gesinnung auch immer wieder etwas Neues aus. „Schwarzer“ war auch bald politsch unkorrekt, daher tunlichst durch „Farbiger“ zu ersetzen, und nunmehr hat man im politisch korrekten Schönsprech „Afrikaner“ oder entsprechend „Afroamerikaner“ zu sagen.

So sind die „Politisch Korrekten“ den durch sie so gerne Belehrten – wie der Igel dem Hasen – immer ein Stück voraus und leiten daraus wohl das ihnen eigene hypertrophe Selbstwertgefühl ab, das sie in diversen Talkshows und Diskussionsrunden so gerne zur Schau stellen. In ihrer blasierten Selbstgerechtigkeit sind sie ständig auf der Suche nach Begriffen, über die sich ein hochsensibles Mitglied einer anderen Ethnie sehr kränken könnte, und so fühlen sich die kreativsten Köpfe dieser Antidiskriminierungswächter dazu berufen, neue Begriffe für süße Köstlichkeiten wie „Negerbrot“, „Mohr im Hemd“ oder „Eskimo-Eis“ zu erfinden.

Natürlich konnte es da nicht ausbleiben, dass die „Politisch Korrekten“ auch das an sich sehr berechtigte Anliegen der Gleichstellung der Frau als ihre ureigene Domäne reklamierten. Dass diese Bemühungen als markanteste Errungenschaft das Binnen-I samt reverser Diskriminierung in der gesprochenen Form hervorgebracht haben, ist ein weiterer trauriger Beleg für die geistige Verfasstheit der Zunft der „Politisch Korrekten“.

Selbstverständlich hat der unermüdliche Einsatz der „Politisch Korrekten“ nicht bei der Überwachung der Alltagssprache halt gemacht, sondern unterzieht inzwischen alle Bereiche von Kultur, Politik und Geschichtsbetrachtung einer strengen Zensur und hat somit das demokratische Recht der freien Meinungsäußerung neu definiert.

So werden nunmehr alle Bereiche von Kultur, Politik und Geschichtsbetrachtung von diesen neuen Jakobinern scharfäugig überwacht und jeder der gegen das, was diese als politisch korrekten Sprachgebrauch zuweilen im Wochentakt neu definieren, öffentlich verstößt, wird als rassistisch, sexistisch, extremistisch oder überhaupt menschenverachtend diffamiert und an den Pranger der veröffentlichten Meinung gestellt.

Ganze Brigaden von Sprachwissenschaftlern beschäftigen sich mit dem Aufspüren „belasteter Begriffe“ und der Frage des „politisch korrekten“ geschlechtlichen Neutralisierens von Gebrauchsgegenständen, Berufsbezeichnungen und Hymnen und verhunzen dabei unsere Sprache oft bis zur Unkenntlichkeit.

Vielleicht finden sie aber dennoch Zeit, über eine Antwort auf die Frage nachzudenken, die mir schon lange wirklich am Herzen liegt, nämlich: Wie bezeichnet man eigentlich eine Bahnhofsuhr politisch korrekt, wo doch Bahnhofsuhren auch im „Dritten Reich“ Bahnhofsuhren hießen?

2 Kommentare zu “„Political Correctness“, die Gleichstellung der Frau und Bahnhofsuhren

  1. Mir geht die ganze Gendermaritis an der Ärschin vorbei. Im Prinzip wird immer damit argumentiert, dass die männlich betonte Sprache schuld an der Unterdrückung und Abwertung der Frau ist.
    Solange aber bereits vom 1. Band von „shades of grey“ 40 Millionen Exemplare gekauft wurden und diese vorrangig von Frauen als so besonders toll dargestellt werden, habe ich überhaupt kein schlechtes Gewissen mehr.
    Übrigens soll jetzt die Endung X ganz groß in Mode kommen, also keine Ärztin und Arzt sondern ein Arx
    Ich bin nur froh, dass ich schon so alt bin, dass ich ohne schlechtes Gewissen die alte Rechtschreibung verwende. Im Prinzip ist es sowieso egal, denn wie heute die Journalisten schreiben, geht ja auf keine Stierhäutin mehr.

  2. Ich bin bisher von Ihrem Blog sehr angetan, soweit ich das nach drei Artikeln beurteilen kann. Es ist schön, mal wieder etwas gesunden Menschenverstand zu lesen, der seine Schlüsse zieht.

    Der Vergleich Sarajevo und Ukraine finde ich sehr treffend, seine Nachwirkungen sind bis heute deutlich spürbar. Was unsere Kinder fragen werden? Sie werden uns wohl fragen, warum der Hundertjährige Krieg zwischendrin unterteilt wurde. Darauf könnten wir noch antworten, wir wussten es nicht besser, wir konnten dieses Geschwür aus menschlichem Abgrund ja noch nicht wachsen sehen, es hatte seinen Kokon erst abgeworfen und sich einen neuen Wirt gesucht. Auf andere Fragen wird wohl oft das Zugeständnis sein, im Geschichtsunterricht bei der Geschichte der Weltkriege nicht aufgepasst, sich nicht interessiert zu haben und letztendlich kein Reflektionsvermögen oder Wille dazu zu haben, sich über die Welt und ihre Strukturen Gedanken zu machen. Oder das grundlegende System von Prägung, Werbung und Propaganda nicht verstanden, nicht wahrhaben zu wollen. Naivität und Wohlbehütetheit könnte man unterstellen. Letztendlich werden sie hoffentlich aufwachen, bevor ein Ministerium für Wahrheit Geschichte blutig neu setzt.

    Leider aber ist denke ich der Zugang zu solchen Öffentlichen Themen durch ein Wirrwarr von Polittrashtalk versperrt, der in eine völlig andere Richtung weist, der einen Zugang für ein Greenhorn schwer gestaltet. Die aufgesetzte Maske des Geschehens, die Fratze des Friedens, des Wiederaufbaus und allem erschwert den Zugang, auch wenn der Blick auf die Geschehnisse immer klarer wird, nicht nur für Leute, die bereits vorher den US-Jubelzug mieden, und lieber Freidenkerbimmelbahn fuhren – amerikafeindlich nennt sich das heute… Die neue Politkultur auf der einen Seite, die im großen Stil importierte Popkultur auf der anderen Seite, in der man Lifestyle kauft, nicht nur schnöde Produkte. Eine Kultur, in der Essenskultur aus normierten Futterausgabestellen mit dem Slogan „besser leben.“ entsteht.

    „Wir Deutsche“ haben’s vielleicht noch gut. Wir merken das nicht ganz so dolle, uns wurd der Zahn mitsamt der Wurzel schonmal gezogen. Wir waren sozusagen von Anfang an dabei! Das Land verwüstet, gespalten, Kultur zerstört, Kultur geschändet, Kultur ausgelöscht, Kultur gebrandmarkt. Deutsche Kultur ist, um auf die Problematik des kommentierten Artikels zurückzukommen, wohl eh eine gewisse Problematik geworden. Entweder politisch belastbar oder total altmodisch, oder im Falle von Bayern massivst ausgelutscht und einfach nur kitschig. Da schmeckte der Cocktail einer importierten Patchworkkultur, ironischerweise aus Flicken eben jener Länder, doch ganz gut. Leider ist diese Kultur zum größtenteils auf dem amerikanischen Traum aufgebaut, Kohle zu kriegen. Das schließt die Kunst per se aus, aber gerade das Bewegtbild und die Erfahrung aus der Marktforschung und der Psychologie ergaben mit ein wenig Fingerspitzengefühl und bösen Willen einen Cocktail, der gesellschaftsformend ist und den Menschen das Gefühl gibt, ganz einfach glücklich zu werden – einfach schwimmen. In der du sein kannst wer du bist, kaufe dir den Lifestyle, der zu dir am besten passt… Ein jeder, der sich in diese entmenschlichten Konsumkultur begibt, leider auch genug jüngste Kinder, verliert sich mal mehr, mal minder in einer Welt aus Virtualität und falscher Erwartung, falscher Vorstellung, die sich dann in Frustration und im schlimmsten Falle Geisteskrankheit entlädt – glücklich werden nur die wenigsten bei dem Versuch. Was wir haben, ist eine gigantische Brot- und Spielekultur, welche langsam aber sicher probiert, alle Sparten für sich zu vereinnahmen, um eine Oberwelle zu produzieren, die weiteres Eintauchen uninteressant machen kann.

    Zudem bediene man sich Platons Höhlengleichnis. Wenn alles was man festgebunden siehst, dein ganzes Leben, Schatten auf einer Höhlenwand sind, wird einem die im Falle einer Befreiung gesehene Welt fürchterlich auf der Seele brennen. Man hätte aber vorher nie den Gedanken gehegt dass es was anderes geben könnte, denn dein Geist baut sich aus dem auf, was er sieht, wirklich kreative Geistesblitze, die weitesgehend wohl auch nur auf abstrakter Kombination beruhen, sind wohl eher selten, desto ungenährter der Geist ist.

    Der moderne Geist ist unterernährt, fehlernährt, meißtens sogar übernährt, mit Fastfoodmüll…

    Man kennt nix anderes, so ist er Mensch. Ein Problem, was sich durch alle Epochen, durch alle Schichten über alle Kontinente zieht.
    Hinterfragen ist wohl selten. Bringt einem aber auch immer nur Ärger ein. Oder man ist eben geisteskrank. Ein Problem, was der Kapitalismus sich zu eigenen gemacht hat, er zerrte den Menschen in eine neue Höhle.

    Das Tolle an dem Gleichnis ist ja, dass der Erleuchtete sowohl geblendet von der Sinne, als auch von seinen Mitgefangenen getötet wird, als er davon berichtet und an ihrem Weltbild scheitert. Besagte Systematik beschreiben Sie mit der heute gesunden Abwehrhaltung, der goldenen Waage ja sehr gut.

    Political Corectness ist nur die sättigende Beilage, simple Ablenkung – Scheißt, Frust, Emotion, Histerie, unnötig aber abendfüllen. Schließt den Magen. Wir sind den Fras schon gewöhnt, da wird „uns“ auch dieser riesige Haufen Scheiße schmecken: Der Amerikaner, der Freund, der UNS gerettet hat, der BÖSE Russe alter und neuer Feind, der uns übrigens auch gerettet hat, zwar auch mal fast Freund war und am meißten blutete; aber das ist doch die Struktur, die wir so gern haben. Was altes, was neues, was geborgtes, was blaues.

    Die Leute sind verfangen, jeder in seiner Virtualität, in seinem Lifestyle, so viele konträre, konstruierte Meinungen, Fehlinformationen. Man erreicht sie rational garnicht mehr im Informationszeitalter. Flugblätter und ähnliches landen im Müll.

    George Orwell prophezeite es, Ignoranz IST Stärke!

    Ich bin ein Wendekind, die politischen Helden meiner Kindheit waren tapfere Männer der Versöhnung, die Grenzen einrissen, Menschen, die nachdachten, was das beste für die Welt sein könnte! Diese Ostpolitik, wo ist sie hin? Das macht mich am wütendsten. Der lange Marsch zweier alter Feinde aufeinander, große Gesten der Versöhnung, der Einsicht, des Friedens, all das wird mal eben weggewischt, mit Bildzeitungen verprügelt… Die Fahne hoooch…!

    *Videoaufnahmen von brutalen Polizeiaktionen Ende der 60er in den USA, unterlegt mit „What a wonderful World“ von Louis Armstrong*

    Mir graut es vor dem Tag, an dem das ganze Aquarium kippt…
    .
    (Herrje, und doch ein wenig viel Senf um die Uhrzeit, da liegt auch irgendwo ein Faden drin begraben… Eine angenehme Nachtruhe wünsche ich.)

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