„Verbotene Worte“ und „Phobien“


Es ist eines der Merkmale totalitärer Regime, politischen Diskurs nicht zuzulassen und sich mit gegenläufigen politischen Meinungen prinzipiell nicht auseinander zu setzen. Regimekritiker werden entweder an einen unbekannten Ort verbracht und kurzerhand liquidiert, oder man zwingt ihnen in Schauprozessen Geständnisse ab, aus denen die Machthaber das Recht ableiten, diese „Abweichler“ und „Verräter am Volk“ hinzurichten oder für lange Jahre wegzusperren. Schauprozesse und Liquidationen waren nationalsozialistische und stalinistische Tradition, die auch in anderen Teilen der Welt ihre unrühmlichen Nachahmer fand und findet.

In der Sowjetunion Chrustschows und Breschnjews war man bemüht, dem Umgang mit „Dissidenten“ einen etwas legitimeren Anstrich zu geben, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren, den unliebsamen Kritiker aus den Augen der Öffentlichkeit zu entfernen und auf möglichst lange Zeit mundtot zu machen. Man bediente sich dabei der einfachen Methode, den betreffenden „Dissidenten“ durch regimetreue Psychiater für geisteskrank zu erklären und in einer Nervenklinik verschwinden zu lassen. Diese Methode hatte für die Ausübenden zweifellos ihre Meriten: Auf eine Auseinandersetzung mit Argumenten, die von einem „kranken Gehirn“ produziert wurden, brauchte man sich erst gar nicht einzulassen, und alle jene, die sich in Folge ähnliche Argumente zu eigen machten, haben dadurch den Beleg für ihre psychische Erkrankung gleich selbst geliefert.

Leider haben in unserem demokratischen Umfeld in den letzten Jahren sehr subtile, weitaus weniger offensichtliche, aber ähnlich perfide Methoden zur Bekämpfung politisch Andersdenkender Schule gemacht. Jede öffentliche Äußerung des politischen Gegners wird mit äußerster Hellhörigkeit auf etwa verwendete „politisch unkorrekte“ Begriffe abgeklopft und im Falle eines positiven Befundes fordert der Chor der politisch Korrekten lautstark die Entfernung des „zweifelsfrei“ der „Ewiggestrigkeit“ Überführten von der politischen Bühne. Das böse Wort sei schließlich der Wegbereiter der bösen Tat, und es gelte, „den Anfängen zu wehren“. Dem „verbotenen Wort“ wird dabei hundertmal mehr Bedeutung beigemessen als der ganzen Rede des Geächteten, auch wenn der darin seine aufrechte demokratische Gesinnung noch so überzeugend darzulegen vermag. Das „verbotene Wort“ wird zum Hexenmal, und da hilft kein Dutzend „Vaterunser“.

Klappt das nicht, wird beim politisch Andersdenkenden in dreister Anmaßung psychologischer Sachkenntnis eine „Phobie“ diagnostiziert. Macht sich jemand Gedanken darüber, wieviel Zuwanderung eine Gesellschaft verträgt, wird er gleich als „Xenophob“ gebrandmarkt. Gedanken über die Kompatibilität des Islam mit dem abendländischen Kulturkreis sind selbstverständlich das Ergebnis einer manifesten „Islamophobie“ und Befürworter der klassischen Familie, in der Kinder mit Mutter und Vater statt mit zwei Müttern oder zwei Vätern aufwachsen, sind zweifelsfrei „homophob“.

Nun ist eine Phobie nichts anderes als ein psychopathologischer Befund, der dem so Etikettierten eine krankhafte Angststörung bescheinigt. Das erspart den selbsternannten „Psychiatern“ die sachliche Auseinandersetzung mit den Argumenten, die von der eigenen Ansicht abweichen, nach dem einfachen Muster: „Das, was Du sagst, ist Ausdruck Deines kranken Geistes und kann daher nur falsch sein. Ich hingegen bin gesund, daher ist das, was ich sage, richtig.“ Dieser Ansatz entbehrt jedweder intellektuellen Redlichkeit und Fairness im Umgang mit dem politisch Andersdenkenden.

Ja, das böse Wort ist der Wegbereiter der bösen Tat, und die Methode der Diskreditierung politisch Andersdenkender trennt von der des Wegsperrens des „Dissidenten“ nur ein Schritt, und das Beispiel von Regimen, die „Abweichler“ vor Gericht gestellt oder als psychisch krank etikettiert und in Nervenkliniken verschwinden haben lassen, ist immer noch in lebendiger Erinnerung. Daher gilt es, unser durch die Verfassung garantiertes Recht der freien Meinungsäußerung zu schützen, „den Anfängen zu wehren“ und die böswillige Diskreditierung politisch Andersdenkender in jedem Fall sensibel aufzuzeigen und auf das Schärfste zurück zu weisen.

Ein Kommentar zu “„Verbotene Worte“ und „Phobien“

  1. gut gebrummt und dennoch, es ist auch möglich dass etwas mit „homo“ tatsächlich dabei eine Rolle spielte:)

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